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Präsident - AKTUELL

Herrn
Dr. Alexander WRABETZ
ORF Generaldirektor
Würzburggasse 30
1136 Wien


Sehr geehrter Herr Generaldirektor!

Seit Wochen ist neben der aktuellen Berichterstattung aus dem In- und Ausland auch das Österreichische Bundesheer immer wieder in den Medien zu finden. Gerade in den letzten Tagen wurde verstärkt über die Entwicklungen des ÖBH und hier im Speziellen über die Diskussionen rund um die Allgemeine Wehrpflicht berichtet.

Nun hat der Herr soll das so sarkastisch sein? Bundesmister für Landesverteidigung und Sport im Rahmen einer Pressekonferenz die sieben Modelle eines künftigen Wehrsystems vorgestellt, wobei er auch seinen persönlichen Favoriten, das Modell 3 vorgestellt hat. Dies war der Auslöser für eine heftig geführte interne und externe Diskussion. Gerade medial wurde hier sehr viel berichtet. Als Präsident der Unteroffiziersgesellschaft Steiermark (4.400 Mitglieder davon 80% aktive Unteroffiziere) habe ich natürlich auch im Radio und Fernsehen die Berichterstattung verfolgt.

Mit großem Interesse oder besser gesagt Erwartung habe ich den „Runden Tisch“ am 17. Jänner 2011 gesehen. Ich muss zugeben, schon zu Beginn der Sendung, nach der Vorstellung der Diskussionsteilnehmer, war ich zutiefst enttäuscht. Dieses Gefühl verstärkte sich noch im Verlauf der Diskussion und speziell in deren Ausgang. Hier geht es nicht nur um die Zukunft des ÖBH, sondern um die Sicherheit unser Staates und unseres Volkes. Die Zusammenstellung der Diskussionsteilnehmer zeichnete sich dahingehend aus, dass es sich hier ausschliesslich um Personen handelte, die schon lange nicht mehr beim Bundesheer beschäftigt sind und sich nur indirekt mit der Armee befassen. Lediglich der Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, der aber selbst ein Milizoffizier im Range eines Hauptmann ist, zwar 6000 Mitglieder vertritt, aber auch davon sind beinahe 4000 Reservisten, hat nur noch einen indirekten Kontakt mit dem Militär. Daher wurde auch die nichtssagende Diskussion auf der Emotions- und nicht auf der, dafür notwendigen, Sachebene geführt.

Jede Bundesheerreform und Strukturanpassung und jedes erdenkliche Wehrsystem wird sich immer auf der Basis auswirken und muss von uns Unteroffizieren nicht nur mitgetragen, sondern auch umgesetzt werden. Der Unteroffizier ist die erste Kontaktperson des jungen Staatsbürgers und daher auch ein maßgeblicher Meinungsbilder. Er ist es schließlich, der dem jungen Soldaten egal ob dieser über die Allgemeine Wehrpflicht oder über ein so genanntes Berufs- und Freiwilligensystem zu uns kommt, das Handwerk lernt. Im Grunde genommen wurde sogar jeder General einmal von einem Unteroffizier ausgebildet.
Nicht die Offiziere sondern die Unteroffiziere sind es, die in allen nationalen und internationalen Einsätzen die Soldatinnen und Soldaten direkt und wenn sie wollen an der Front führen und für deren Wohlergehen und Sicherheit verantwortlich sind.

Daher ist für mich als Unteroffizier schon befremdend, dass bei solchen Diskussionen und Meinungsumfragen unser Präsident der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft, der immerhin mehr als 20.000 Mitglieder (die Masse sind Unteroffiziere des Aktivstandes) vertritt, nicht einmal befragt oder gar eingeladen wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir Unteroffiziere einen objektiven Beitrag leisten können. Was denkt sich wohl der Zuseher, wenn bei so einer wichtigen Diskussion vorwiegend pensionierte Vertreter, abgerüstete Militärexperten und Rekruten sowie Milizoffiziere über die Zukunft unsere Armee nicht reden sondern streiten.

Es ist auch auffällig, dass in den steirischen Berichterstattungen lediglich ein Vertreter des Milizverbandes, der auch fernab von den eigentlichen Problemen der Armee ist, befragt wird. Auch hier wird die Unteroffiziersgesellschaft Steiermark, wie schon erwähnt mit immerhin 4.000 Mitgliedern, wovon 80% des Aktivstandes sind, nicht um ihre Meinung gefragt. Sind die Erfahrungen und Anschauungen dieser Unteroffiziere für die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit nicht gefragt oder kann man mit dem Berufsbild Unteroffizier wirklich nichts anfangen? 

Die Unteroffiziere, die bisher alle Reformen und Strukturanpassungen mitgetragen haben, erwarten sich eine sachliche, ehrliche und keine populistische Diskussion über die Zukunft des Heeres. Daher würden wir uns wünschen auch im Meinungsbildungsprozess medial verstärkt eingebunden zu werden, denn auch der Österreichische Staatsbürger hat ein Recht die Erfahrungen der Basis zu erfahren.

Die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung darf nicht zum politischen Kräftemessen missbraucht werden. Dazu gehört auch ein optimaler Meinungsbildungsprozess. Mit der Sicherheitspolitik und dem ÖBH muss verantwortungsvoller umgegangen werden.


In der Hoffnung künftig auch bei Ihrem Medium Gehör zu finden, verbleibe ich mit Wertschätzung und Respekt
"ORF- Aussendung" -  Schreiben des Präsidenten der UOG STEIERMARK
Präsident - AKTUELL


Graz, am 19. Jänner 2011

Der Präsident der Unteroffiziersgesellschaft Steiermark
und
2. Generalsekretär der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft



Vizeleutnant Othmar WOHLKÖNIG