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Präsident - AKTUELL
Der Präsident der UOG Steiermark - Leserbrief an versch. Tageszeitungen
Präsident - AKTUELL
Auch Loyalität hat seine Grenzen!

Bis jetzt haben sich die Unteroffiziere im Bewusstsein, dass eine Reform des Bundesheeres mehr als notwendig ist, in der sicherheitspolitischen Debatte immer neutral und vor allem loyal verhalten. Alle bisherigen  Reformen und Strukturmaßnahmen wurden von uns mitgetragen und dort umgesetzt wo sie sich am meisten auswirken, nämlich an der Basis.

Die politische Führung konnte stets auf unsere Auftragstreue und Loyalität vertrauen.  Vertrauen und Loyalität sind jedoch keine Einbahnstraßen. Zu oft sind wir schon enttäuscht worden und auch jetzt zeichnet es sich wieder ab, dass es schon lange nicht mehr um die Sicherheit unseres Landes geht, sondern auf Kosten des Sicherheitsinstrumentes "Bundesheer" um Wählerstimmen gekämpft wird.  In jeder qualifizierten Führungsausbildung lernt man Beurteilungsprozesse, so auch in der Offiziers- und Unteroffiziersausbildung. Daher fragen wir uns berechtigt: "Wie kann man die Eigene Lage beurteilen ohne das Bedrohungsbild analysiert zu haben"? oder "Wie kann man einen Entschluss fassen ohne den Auftrag zu erfassen und zu beurteilen"?

Auch wenn der Herr Bundesminister für Landesverteidigung und Sport in einem Interview meint, dass das Militär nicht relevant sei, aber mit solchen Fehlern im Führungsverfahren fallen wir in der Ausbildung durch. Davon abgesehen, wie kann einer verantwortungsvollen Führungskraft nur das Personal egal sein? Uns sind ja auch nicht die uns anvertrauten Soldatinnen und Soldaten egal. Das wäre ebenso ein folgenschwerer Führungsmangel und wir würden zu Recht der Aufgabe enthoben. Offensichtlich ist man aber gerade deswegen unangenehm und wird von seinem Posten abgesetzt. Wie ist es sonst zu erklären, dass unser Generalstabschef General Mag. Edmund Entacher, der als Mann der Truppe ein hohes Maß an Akzeptanz und Beliebtheit beim Kaderpersonal genießt, wegen seiner Bedenken um die Leistungsfähigkeit sowie die Zukunft unseres Bundesheeres und dessen Personal einfach seines Amtes enthoben wird. Damit ist beim ohnedies schon verunsicherten Kaderpersonal ein gravierender Vertrauensbruch zur politischen Führung eingetreten, der sich in der Stimmung niederschlägt.

Es gibt kaum eine militärische Liegenschaft in der nicht über diese unverständliche Personalmaßnahme diskutiert und das Entsetzen darüber zum Ausdruck gebracht wird. In einem anderen System würde sich das derzeitige Stimmungsbild negativ in der Auftragserfüllung auswirken. So nicht beim Militär, denn wir haben auf die Republik ein Treuegelöbnis abgelegt und sind uns der Verantwortung gegenüber unseren Mitbürgern bewusst. Ist sich aber das auch die Politik?

Daher unser Aufruf an alle Parteien die auch seinerzeit dem Papier der Bundesheerreformkommission 2010 zugestimmt haben: Gehen Sie wirklich wieder zurück an den Start. Denken Sie bei den Beurteilungsprozessen künftig an die Sicherheit unseres Landes und nicht an ihren politischen Vorteil. Und schlussendlich vertrauen Sie auf die Fachexpertisen des Militärs aller Führungsebenen. Übrigens, die wehrpolitisch relevanten Vereine sind nicht mit dem Fußballklub von Kroatisch Minihof, wie sie der Verteidigungsminister unlängst betitelte, vergleichbar, denn unsere Mitglieder sind Soldaten des Berufs-, Miliz- und Reservestandes und durch unsere Öffentlichkeitsarbeit sind wir maßgebliche Meinungsbildner und Stimmungsmacher in allen Schichten der Bevölkerung.

Unabhängig welches Wehrsystem kommt, für die Umsetzung bedarf es immer der Akzeptanz in der Bevölkerung und der Unterstützung des Kaderpersonals. Auch wir sind ein Teil des Volkes.


Othmar WOHLKÖNIG
Vizeleutnant
Kommandounteroffizier und
Präsident der Unteroffiziersgesellschaft
Steiermark